• Bekanntermaßen entsteht bei der Reparatur (lat. (re) -parare) von Körpergewebe nach einer Verletzung Ersatz- oder Narbengewebe, welches qualitativ und biomechanisch deutlich schlechtere Eigenschaften als das Originalgewebe hat. Im Gegensatz dazu zielt die Regenerative Medizin (lat. (re) -generare: wiedererschaffen) darauf ab krankes oder verletztes Gewebe durch neu gebildetes zu ersetzen welches die gleichen biologischen Eigenschaften aufweist wie das gesunde Gewebe. Die regenerative Medizin ist ein aufstrebender Forschungs- und Anwendungsbereich, der einige Anwendungen bereits heute zulässt, deren wahres Potential sich jedoch erst in der Zukunft zeigen wird. Z.B. durch den Einsatz von Einzelfaktoren (Vesikel oder small molecules).
  • Die derzeitig verfügbaren Anwendungsmöglichkeiten sind:
    • Tissue Engineering (im Labor gezüchtete Zellen zur Implantation, z.B. Bandscheibenzellen)
    • Komplexe Blutderivate (Medikamente aus Eigenblut) (z.B.: PRP, ACP, L-PRP, PRF, L-PRF) die über Infiltration an das Zielgewebe gebracht werden. Nach Blutentnahme werden über eine Zentrifuge bestimmte Plasmaanteile angereichert, die über köpereigene Regenerative Faktoren verfügen (z.B. Trombozyten, Leukozyten, Fibrin)
    • Mesenchymale Stammzellen (MSCs) die aus Fettzellen oder Knochenmark gewonnen werden.
  • Alle Anwendung sind noch deutlich davon entfernt unsere Erwartung an eine vollständige Geweberegeneration zu erfüllen. MSCs z.B. weisen in ihren Subkulturen die Zeichen der Zellalterung auf und ihr regeneratives Potential lässt nach. Zudem sind sie dem Hayflick – Limit für Zellteilungen unterworfen. Jedoch gewährleistet die Zelltherapie wissenschaftlich belegte Heilungserfolge ohne die Nachteile und Nebenwirkungen bestimmter medikamentöser Therapien.
  • Stammzellentherapie
    • Grundsätzlich unterscheiden wir verschiedene Stammzellen
      • Die befruchtete Eizelle ist eine totipotente Urstammzelle- aus ihr entwickelt sich ein ganzer Mensch
      • Pluripotente embryonale Stammzellen können jedes Körpergewebe bilden, aber keine Plazenta mehr
      • Aus den multipotenten fetalen und adulten Stammzellen können nur noch einzelne, vorbestimmte Organe entstehen.
    • Grundsätzlich wären die embryonalen Stammzellen ideal für den medizinischen Einsatz. Ethische Gründe legen hier aus gutem Grund jedoch einen Riegel vor. Es besteht letztendlich die Gefahr, dass menschliche Embryos im Sinne der modernen Medizin kommerziell, industriell genutzt werden.
    • Die Medizin beschränkt sich daher auf adulte Stammzellen. Hier gibt es zwei Anwendungen:
      • iPS Zellen (induzierte pluripotente Zellen). Mit Hilfe von Viren werden Gene in eine adulte Zelle eingeschleust, die daraufhin pluripotente Fähigkeiten erhalten. An iPS Zellen wird weltweit geforscht, unglaubliche Möglichkeiten zur Krankheitsbehandlung tun sich auf. Jedoch gibt es einige Probleme. Z.B. die Gefahr einer Tumorauslösung oder auch ethische Bedenken, da iPS Zellen auch bei der Erzeugung von Klonen oder Mensch-Tierwesen (Chimären) eingesetzt werden können. Auf die Wirbelsäule bezogen
      • In der Praxis eingesetzt werden: mesenchymale Stammzellen (MSCs) aus Fettgewebe oder Knochenmark. Nach Blutentnahme werden die Stammzellen mechanisch oder enzymatisch gewonnen. Die Applikation erfolgt bei Wirbelsäulenbeschwerden durch Infiltration an das beschädigte Gewebe des Stützapparates. Die MSCs unterstützen dann die Geweberegeneration durch trophische, antiinflammatorische und immunmodulatorische Faktoren.